LK-Geographie 9.07.1998

Olimpia Podjacki

 

 

ÖKOSYSTEM MOOR

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

I. Die Entwicklung von Mooren

I.I. Grundwasserernährte Moore

I.I.I. Quellmoor

I.I.II. Hangmoor

I.I.III. Versumpfungsmoor

I.I.IV. Verlandungsmoor

I.I.V. Überflutungsmoor

I.I.VI. Durchströmungsmoor

I.I.VII. Kesselmoor

 

I.II. Regenwasserernährte Moore

I.II.I. Plan-Regenmoor

I.II.II. Plateau-Regenmoor

 

I.III. Übergangsmoor

II. Die ökologische Bedeutung der Moore

III. Moorkultivierung

III.I. Nutzung des Torfes

III.II. Moorbrandkultur

III.III. Fehnkultur

III.IV. Deutsche Hochmoorhultur

III.V. Heutige Moorkultivierung

IV. Folgen der Moornutzung für das Ökosystem

IV.I. Entwässerung

IV.II. Eintrag von Nährstoffen

IV.III. Moore als Siedlungsfläche

V. Schutz und Renaturierung

V.I. Schutz und Entwicklungsziele

V.II. Regeneration von Grundwassermooren

V.III. Regeneration von Regenmooren

 

 

ÖKOSYSTEM MOOR

Moornutzung und Renaturierung

„Auch wenn die Menschen von heute nicht mehr an Elfen und Moorgeister glauben, brauchen wir doch eine neue Ehrfurcht vor diesen letzten Urlandschaften Mitteleuropas."

(Hutter, Claus-Peter. Hrsg. 1997. Sümpfe und Moore. Stuttgart-Wien-Bern. S.6)

 

 

 

I. Die Entstehung von Mooren

I.I. Grundwasserernährte Moore

Die grundwasserernährten Moore entstanden aus verlandeten Stillgewässern oder feuchten Senken. Somit standen sie im Einflußbereich vom Ober- flächen- oder Grundwasser. Dieses Wasser ist sehr nährstoffreich, woraus hervorgeht, dass die grundwasserernährten Moore auch eutroph sind. Ein anderer Aspekt für den Nährstoffreichtum dieser Moore ist, dass sie aus abgestorbenen Pflanzenresten bestehen.

In Flachgewässern ist die Stoffproduktion der Pflanzen größer als ihr Abbau. Dazu herrscht dort noch Sauerstoffmangel und hierdurch wird der Abbau der Pflanzenreste gehemmt. Die unvollständig abgebauten Pflanzenreste nehmen jährlich zu. Es entsteht daraus Torf. Das Moor ist ein schlammiger Boden, der aus mehr als 30% organischer Substanz besteht.

Die grundwasserernährten Moore besitzen eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt sowie ein in Überfülle vorhandenes Pflanzenwachstum. Die grundwasserernährten Moore wurden früher unter den Begriffen Flach- oder Niedermoore, aufgrund ihrer Konkauwölbung, geführt. Diese Bezeichnungen sind jedoch den verschiedenen Typen der grundwasser- ernährten Moore schon lange nicht mehr gerecht und werden nicht mehr gebraucht.

Es folgen nun die grundwasserernährten Moortypen.

 

I.I.I. Quellmoor

Die Voraussetzung zur Bildung eines Quellmoors ist, dass aus dem Gesteinsuntergrund regelmäßig Quellwasser austritt. Es muß eine permanente Wassersättigung der Bodenoberfläche vorherrschen.

Bei diesen Mooren entstehen Quelltorfe, die aufgrund des hohen Sauerstoffgehalts der Quellwässer und der kleinflächigen Austrocknung, stark zersetzt und schlammig sind. Die torfbildene Vegetation besteht aus Kleinseggenriede, Großseggenriede und Erlenbruchwald. Je nach topographischer Lage sind sie Hang- oder Niederungsquellmoore.

 

I.I.II.Hangmoor

Auch für die Hangmoore ist die Voraussetzung eine permanente Wasser- sättigung, in diesem Fall das Sickerwasser. Die Hangmoore sind zum größten Teil durch die großflächige Rodung im Mittelalter entstanden. Die torfbildende Vegetation besteht aus moosreichen Kleinseggenrieden und Bruchwäldern. Bei starkem Höhenwachstum ist das Oberflächengefälle so stark, dass eine natürliche Entwässerung einsetzt und dadurch der Torfkörper einerseits zunehmend an Nährstoffen verarmt, andererseits kommt es zu Stillstands-phasen der torfbildenden Vegetation. Hieraus ergibt sich, dass die Mächtigkeit der Torfschichten begrenzt ist und sie eine kleinflächige Ausbreitung haben.

 

 

I.I.III. Versumpfungsmoor

Die Versumpfungsmoore entstanden in Senken oder Niederungen, in denen das Grundwasser überwiegend unter der Bodenoberfläche stand. Nach der Schneeschmelze und längeren Regenperioden wurden sie durch den Zufluß vom Mineralbodenwasser regelmäßig überschwemmt. Die Torfbildung erfolgte sehr langsam aufgrund der Grundwasser-schwankungen.Die torfbildenden Pflanzen sind Schilfröhrichte, Großseggenriede und Erlenbruchwald.

Einige der Versumpfungsmoore sind auch nach der Rodung der Wälder entstanden. Diese führte nämlich zum vergrößerten Oberflächenabfluß der Niederschläge, was wiederum die großflächige Vernässung zur Folge hatte. Dadurch entstanden auch viele großflächige Versumpfungsmoore.

 

I.I.IV. Verlandungsmoor

Die Verlandungsmoore entstanden aus Flachgewässern. Von den Ufern her wuchs der See mit Binsen-, Schilf-, Schneide-oder Wasserröhrichten zu und am Grund des Flachsees entstanden Mudden. Das sind Ablagerungen in Stillgewässern mit hohem Anteil an organischer Substanz. Die Voraussetzung zur Bildung von Mudden ist ein permanenter Stoffeintrag aus dem Einzugsgebiet des Gewässers. Die Mudden höhten sich auf, so dass die Wassertiefe nur noch wenige Meter betrug. Die Wasserverlandung dauerte von Natur aus sehr lange, doch durch den Einfluß des Menschen wurde sie beschleunigt. Einmal durch die Absenkung des Wasserspiegels zur Gewinnung von Feuchtwiesen und zum zweiten Mal durch die Erhöhung der Nährstoffzufuhr durch die Gewässerverschmutzung

 

I.I.V. Überflutungsmoor

Die torfbildende Vegetation besteht aus Schilfröhrichten, Großseggen- rieden, Erlen- und Weidenwäldern. Die Torfbildung wurde durch einen ständig hohen Grundwasserspiegel und langanhaltende Überflutungen mit Fremdwasser ausgelöst sowie durch Ablagerungen von Feinsedimenten. Die Überflutungsmoore sind in der Regel eutroph, durch den Einfluß des Menschen jedoch polytroph.

I.I.VI. Durchströmungsmoor

Das Durchströmungsmoor ist ein sekundäres Moor, das aus dem Quell- oder Versumpfungsmoor entstanden ist. Eine Klimaänderung oder eine verstärkte Entwaldung des Einzugsgebietes führen zum verstärkten Wasseranfall und somit zu einer permanenten Wassersättigung. Eine geringe Neigung des Geländes ist Voraussetzung für die Entstehung eines Durchströmungsmoors, denn dann erfolgt eine oberflächennahe Durchströmung des Grundwassers. Aufgrund der hohen Wassersättigung können die Torfe, die hauptsächlich aus Kleinseggenrieden entstehen, schnell anwachsen. Mit zunehmender Entfernung vom Talrand wird das Mineralboden-wasser durch die Aufnahme der Nährstoffe durch die Moorvegetation oligotropher, so dass bei hohen Niederschlägen ein Regenmoor entstehen kann.

I.I.VII. Kesselmoor

Das Kesselmoor ist wie das Durchströmungsmoor ein sekundäres Moor. Die Kesselmoore entstanden aus verlandeten Toteislöchern. Aus dem Einzugsgebiet strömte Grund- und Oberflächenwasser ein, wodurch die Kesselmoore am Rand eutroph sind. In der Moormitte jedoch ist oft noch ein oligotropher Restsee vorhanden. Der Grund dafür ist, dass das Mineralwasser bis zur Moormitte vorgedrungen, durch die Abgabe der Nährstoffe an Pflanzen verarmt ist. Im Zentrum nimmt die Torf- bildung durch die Niederschläge und die Mineralstofffiltration des Torfes zu.

 

 

I.II. Regenwasserernährte Moore

Die Entstehung der regenwasserernährten Moore, die früher als Hochmoore bezeichnet wurden, ist hauptsächlich durch das Klima bedingt. Die Niederschläge müssen sich annähernd gleichmäßig über das Jahr verteilen. Die Voraussetzungen zur Ansiedlung von Torfmoosen (Sphagnum), die immer an der Moorbildung beteiligt sind, sind ein kühl-feuchtes Klima, in dem die Summe der Niederschläge, die oligotroph und kalkarm sind, größer ist als die Verdunstung und der Abfluß. Die Torfmoose sind wurzellose Pflanzen, bei denen der Gipfel weiterwächst, wobei das untere Ende abstirbt und aus ihm der Torf entsteht. Die Torfmoose können unheimlich viel Wasser speichern. Der mooreigene Wasserspiegel liegt über dem Grundwasser- spiegel der Umgebung.

Die Regenmoore sind zum Teil auch sekundär oder tertiär entstanden, und zwar auf nährstoffarmen Teilen von Verlandungs-, Hang-, oder Durchströmungsmooren. Diese Teile waren vom mineralstoffreichen Grund- oder Oberflächenwasser weit entfernt und die Mineralstoffe wurden durch die Moorvegetation ausgefiltert. Und waren in diesem Teil die jährlichen Niederschläge größer als der Abfluß und die Verdunstung, so entstand ein Regenmoor.

Das Regenmoor ist zur Mitte hin gewölbt (Konvexwölbung) und zum Rand hin fällt es ab. Dort ist eine riesige Torfmoos-Schwamm umgebende nährstoffreichere Rinne, der Lagg.

Das Regenmoor wächst nur 1 mm pro Jahr.

I.II.I. Plan-Regenmoor

Die Plan-Regenmoore sind im Küstenbereich entstanden. Dort, wo kühl- humides Klima herrscht und die Niederschläge auf das ganze Jahr gleichmäßig verteilt sind. Der Torfkörper ist nur schwach gewölbt und es herrscht die typische Regenwassermoorvegetation vor, wie das Sphagnum.

Das Torf des Plan-Regenmoors wird in stark zersetzt (Schwarztorf) und schwach zersetzt (Weißtorf) gegliedert.

I.II.II. Plateau-Regenmoor

Die Plateau-Regenmoore sind im weniger humidem Klima in der Nähe von Binnengewässern entstanden. Die Niederschläge sind auf das Jahr ungleich verteilt. Die Plateau-Regenmoore weisen eine Konvexwölbung auf.

Das überschüssige Regenwasser fließt in Rüllen zum Randlagg ab und sammelt sich dort, deshalb treten auch offene Wasserflächen auf. Das Plateau ist in kleine Erhebungen (Bulte) und kleine wasserge- füllte Vertiefungen (Schenken) gegliedert.

Beim starkem Wasserüberschuß bilden sich Stillgewässer, kleinflächig werden sie als Kolke bezeichnet und großflächig als Blänken. Als Sonderformen der Plateau-Regenmoore gibt es die Gebirgs-, Hang-, Kamm-, Sattel- und Deckenregenmoore.

 

I.III. Übergangsmoor

Das ist der Übergang von dem mit Nährstoffen und Basen versehenden grundwasserernährten Moor zu dem nährstoffarmen und bodensauren regenwasserernährten Moor. Dort, wo die Astmoose des grundwasser- ernährten Moores durch die Torfmoose des regenernährten Moores abgelöst werden, befindet man sich auf dem Übergangsmoor. Dort sind Pflanzenarten beider Moortypen vertreten, wie z.B. Schwingrasen.

II. Die ökologische Bedeutung der Moore

Die Moore bieten in erster Linie einen Lebensraum für viele Tier- oder Pflanzenarten. Die Tier- und Pflanzenwelt des Regenmoors ist zwar artenarm, dafür aber hochspezialisiert. Die Lebensbedingungen, die in einem Regenmoor herrschen (Nährstoffarmut, Stickstoffarmut), findet man in keinem anderen Ökosystem.

Der Wassergehalt der Torfe kann bis zu 97% betragen. Der Torf hat somit eine hohe Speicher- und Aufnahmekapazität des Wassers. Aufgrund dieser Fähigkeit schränken die Moore einen schnellen und unproduktiven Abfluß des Wassers ein. Ausserdem gleichen sie die Wasserführung der Flüsse aus und verhindern auch Überschwemmungen.

Die Moore können wegen ihrer lonenaustauschkapazität Pestizide, Schwermetalle und radioaktive Teilchen aus dem Bodenwasser herausfiltern und damit dem Stoffkreislauf entziehen. Weiterhin sind sie wichtige Sedimentations- und Ablagerungsräume für mineralische Stoffe. Moore sind riesige Kohlenstoff- und Stickstoffspeicher. Kohlenstoff wird in den organischen Pflanzen-resten gespeichert, im Torf.

."Intakte Hochmoore sind eigentliche Kühlaggregate des Klimas, da sie die Atmosphäre von Treibhausgasen entlasten." (http://www.tages-anzeiger.ch/971205/229344.HTM)

Durch die Anhäufung von Stickstoff verhindern die Moore einen Eintrag in Grund- und Oberflächengewässer und durch die Speicherung von Kohlenstoffen wirken sie dem Treibhauseffekt entgegen. Weltweit können Moore durchschnittlich 430 Milliarden Tonnen Kohlenstoff binden. Im Vergleich zum Regenwald bedeutet das, dass die Aufnahmefähigkeit der Moore das Elffache beträgt.

III. Moorkultivierung III.I. Nutzung des Torfes

Der Torf wurde im Laufe der Zeit vielfältig genutzt. Die Gewinnung von Brenntorf zum Heizen lässt sich schon 79 n. Chr. nachweisen. Die Nutzung des Torfes hat in Nordwestdeutschland bis über das Mittelalter gehalten. In Süddeutschland waren die Torfvorkommen vor dem Dreißigjährigen Krieg zum größten Teil nicht beachtet oder noch nicht entdeckt worden.

Erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand eine gezielte und geplante Torfgewinnung statt. Als die Bevölkerung nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder angewachsen war, war auch der Bedarf an Brennmaterial gestiegen und durch die Übernutzung der Wälder, die als Weiden oder für die Niederwaldwirtschaft genutzt wurden, mangelte es an Brenn- holz. Es wurde mit der Fehnkultur abgetorft, die es bereits im 17. Jahrhundert schon gab. Der Torf wurde an städtische Haushalte, Kalk-, Gips-, Ziegelbrennereien, Glashütten, Salzsiedereien und Brauereien verkauft.

Im 19. Jahrhundert nahm der Torfabbau einen erheblichen Aufschwung durch die Industrialisierung. Mit modernen Maschinen konnte viel mehr in kürzerer Zeit und mit weniger Arbeitskräften abgebaut werden. Torf wurde nun industriell als Brennstoff bei der Eisenbahn und in der Industrie verwendet: Zuckerfabriken, textilverarbeitende und chemische Fabriken. Im 20. Jahrhundert wurde der Brenntorf allmählich von der billigeren Steinkohle und schließlich vom Heizöl verdrängt.

In Mitteleuropa fand der Torf zunehmend Verwendung als Bodenverbesserer. Bis vor kurzem wurde der Torf auch wegen seiner dunklen Farbe für die Herstellung von Friedhofserde benutzt. Der Torf wird heute auch zu Torfkoks und Aktivkohle verarbeitet, die für die Reinigung von Trinkwasser eingesetzt werden.

Nicht zur Vergessen ist die heilende Wirkung der Moorbäder in Kurorten.

 

III.II. Moorbrandkultur

Bei der Moorbrandkultur entwässerte man eine Moorfläche oberflächlich durch flache Gräben. Die Mooroberfläche wurde im Frühjahr gehackt und anschließend angezündet. Im Sommer wurde die Asche mit Schwarztorf vermischt, was einen guten und fruchtbaren Ackerboden brachte. Die Moorbauern säten Buchweizen, aus denen Buchweizenpfannkuchen, -grütze, -brei und -fladen gemacht wurden. Der Vorteil war, dass es relativ schnell ging einen fruchtbaren Ackerboden zu erhalten, doch der Nachteil war, dass die Äcker nach ca. 7 Jahren erschöpft und unfruchtbar waren und ca. 30 Jahre lang brach liegen mußten, bis sie sich erholt hatten und wieder nutzbar waren.

 

III.III. Fehnkultur

Die Holländer entwickelten die Fehnkultur. Zuerst mußte das Moor durch Kanäle entwässert werden. Häufig wurde mit den Kanälen auch eine Straße gebaut. Der Sand, der beim Bau des Kanals gewonnen wurde, diente zum Aufschütten der neben dem Kanal verlaufenden Straße. Die Kanäle hatten zwei wichtige Aufgaben, erstens waren sie zuständig für die Entwässerung und zweitens waren sie die wichtigsten Verkehrswege im Moor, auf denen der Torf zum Verkauf in die Städte befördert wurde. Die oberste Moor- schicht, bestehend aus dem Weißtorf, wurde abgetragen. Der Weißtorf eignete sich weniger zum Verkauf, weil er aufgrund seiner schlechten Brennqualität billiger war. Der Schwarztorf wurde gestochen und getrocknet und einerseits für den Eigenbedarf verwendet oder andererseits verkauft. Der Sandunter- grund wurde mit Erde vermischt und auf ihm konnten nun Wiesen, Weiden und Äcker angelegt werden.

III.IV. Deutsche Hochmoorkultur

Die deutsche Hochmoorkultur löste dann die holländische Fehnkultur ab. Das Moor wurde entwässert, wie bei allen Kultivierungsmaßnahmen. Die oberste zwei Meter dicke Torfschicht vermischte man mit Kunstdünger. Durch den vorangehenden Abbau der oberen Torfschichten war die Dicke der Torfschicht so gering geworden, dass unter Einsatz von Tiefpflügen das Restmoor mit dem Sanduntergrund vermischt werden konnte. Damit wurden Ackerflächen geschaffen, die den Bauern auch den Einsatz moderner Maschinen ermöglichten.

III.V. Heutige Moorkultivierung

In Nordwestdeutschland wird Weißtorf mit Stechmaschinen abgebaut und zur Herstellung von Torfkultursubstraten verwendet. Der Schwarztorf wird in der Regel mit Eimerleiterbaggern abgebaut. Seine Verwendung ist dem Bereich der Aktivkohle vorbehalten. Bei diesen Verfahren werden meist einige Meter pro Jahr abgetorft.

Im Alpenvorland werden nur wenige Millimeter pro Jahr abgefräst und ausschließlich zur Herstellung von Kultursubstraten verarbeitet.

Schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren verschiedene Moorschutzgesetzte erlassen worden, die eine Abtorfung nicht bis zum mineralischen Untergrund gewährleisten sollte, sondern genug Torfauflage für eine landwirtschaftliche Nutzung übrig bleiben sollte.

Die Torfe weisen unter Ackernutzung eine relativ hohen Zersetzungsgrad auf, deshalb sollten Ackerflächen auf Moorböden grundsätzlich in Grünland umgewandelt werden.

 

IV. Folgen der Moornutzung für das Ökosystem

Erst die intensive landwirtschaftliche Nutzung und der großindustrielle Torfabbau führten zu nicht wieder rückgängig zu machenden Verlusten und Schäden. Durch die Entwässerung, Abtorfung und landwirtschaftliche Nutzungwurde die landschaftsökologische Funktion der Moore erheblich gestört und die frühere Artenvielfalt bedroht.

In den alten Bundesländern gab es 209 höhere Pflanzen, die auf das Leben im Moor spezialisiert sind, davon sind 123 Arten gefährdet, 40 akut vom Aussterben bedroht und bereits sieben ausgestorben. In Niedersachsen gab es ehemals 250000 ha Regenmoorfläche, 1980 bestanden davon nur noch 25 000 ha in naturnahem Zustand. In Schleswig-Holstein wurde 1880 eine Regenmoorfläche von 53 000 ha verzeichnet, 1975 war die Fläche bereits auf 5 500 ha geschrumpft. Heutzutage besteht keine ungestörte Moorfläche mehr.

 

IV.I.Entwässerung

Die größte Gefährdung der Moore ist durch die menschliche Nutzung verursacht worden und die damit verbundene Entwässerung.

Mit zunehmender Austrocknung werden den Torfmoosen die Lebensmöglichkeiten genommen. Durch den starken Rückgang der Torfmoose stellt sich das Regenmoorwachstum ein und es entwickelt sich ein Heidenmoor mit Wollgras, Glocken- und Besenheide. Durch weiteres Absinken des Grundwasserspiegels wird das entwässerte Moor von einem Birkenwald bedeckt.

Jede Entwässerung ist mit einer Durchlüftung verbunden, wodurch Abbauvorgänge stattfinden und chemische Verbindungen freigesetzt werden. Vorher wurde alles im Ökosystem Moor akkumuliert und auf diese Weise entsorgt, durch den oxidativen Torfverzehr wird das Moor zum belastenden Lebensraum. Durch die Zersetzung des Torfes wird der im Torf gebundene Stickstoff in unterschiedlichen Formen freigesetzt: Ammoniak, Stickstoff, Stickstoffoxide, Distickstoffmonoxid, Nitrat. Während die ersten vier Verbindungen fast ausschließlich gasförmig in die Atmosphäre entweichen, bleiben Nitrate im Wasser gelöst. Die Grenzwerte für Nitrat im Grundwasser können in Trinkwasserbrunnen, deren Einzugsgebiet in grundwasserernährten Mooren mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung liegt, nicht mehr eingehalten werden. Die Freisetzung von Distickstoffmonoxid trägt zum Ozonabbau in der oberen Stratosphäre bei und unterstützt den unnatürlichen Treibhauseffekt. Die dadurch bewirkte Klimaerwärmung bringt eine verstärkende Rückkoppelung, indem sie zur Austrocknung des Torfes beiträgt und damit den Abbau von Kohlenstoff fördert.

IV.II.Eintrag von Nährstoffen

Auch durch den Eintrag von Nährstoffen, sei es durch die Landwirtschaft oder durch die Touristen, eutrophiert das Moor. Pflanzen, die geringe Nährstoff- ansprüche haben, werden verdrängt. Andere Pflanzen der Regenmoore breiten sich auch über das Moor hinaus aus. Ihre Struktur verändert sich mit der Anpassung an den neuen Lebensraum und die Folge ist, dass diese Pflanzen nicht mehr in der Lage sind, ein Moor entstehen zu lassen. Die Touristen gefährden das Moor, indem sie entlang der Wanderwege Abfälle hinterlassen und somit zu einer Nährstoffanreicherung beitragen. Wenn sie sich nicht an die für sie ausgezeichneten Wege halten, so zerstören sie durch Tritt Schwingrasen oder Röhrichtzonen, die sehr empfindlich sind auf wiederholten Tritt. Ausserdem werden durch das Wegenetz die von Vögeln so dringend benötigten störungsarmen Bereiche (z.B. Brutplätze) reduziert.

 

IV.III. Moore als Siedlungsflächen

Die entwässerten Moorflächen wurden an einigen Stellen zum beliebten Siedlungsland, weil sie so preiswert waren. An diesen Stellen wurden dann Siedlungen, Campingplätze oder Kleingärten gebaut. Dies ist ein großer Störfaktor, wenn man nahegelegene Moorflächen renaturieren möchte, weil man nicht den Grundwasserspiegel anheben kann, denn sonst würden die Siedlungen überflutet werden.

 

V. Schutz und Renaturierung

"Da in der Bundesrepublik Hochmoore - im Gegensatz zu verschiedenen anderen Feuchtbiotopen - kaum in nennenswertem Umfang neu entstehen dürften, ist ihre Erhaltung bzw. Regeneration nicht nur oberstes Ziel des Naturschutzes, sondern auch eine kulturelle Aufgabe, ähnlich wie die Erhaltung bzw. Restaurierung eines kunsthistorisch bedeutsamen Bauwerks."(Deutscher Naturschutzring. Hrsg. 1980. Moore, Bedeutung-Schutz-Regeneration. Bonn. S.4)

Bevor man anfängt eine Moorfläche zu renaturieren, sollte man eine detaillierte Erfassung des Zustandes oder Natürlichkeitsgrades des zu renaturierenden Moores sowie der Moore seiner Umgebung erstellen und ein Leitbild für seine zukünftige Entwicklung.

Man sollte die Zusammensetzung des Torfes ermitteln, um den alten und aktuellen Zustand zu erhalten. Die aktuelle Nutzung wie Land- oder Forstwirtschaft sowie andere mögliche Gefährdungen sollten registriert werden, auch im Bezug auf das hydrologische Einzugsgebiet. Weiterhin sollte die Tier- und Pflanzenwelt, auch die der Umgebung, verzeichnet werden.

Anhand dieser Daten können Schutzwürdigkeit der Fläche sowie deren Schutzziel festgelegt werden. Es muß auch erarbeitet werden, ob das angestrebte Ziel überhaupt erreicht werden kann.

V.I. Schutz und Entwicklungsziele

Es sollte ein Schutz aller noch vorhandenen natürlichen oder weitgehend naturnahen Mooren erfolgen. Die Gebiete sollten als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden, damit man mit einer lohnenswerten Regeneration anfangen kann.

Zum Schutz der Umwelt vor Schadstoffausträgen sollte ein Schutz der noch vorhandenen Resttorfkörper aller genutzten Moore vor weiterem Abbau und weiterer Zersetzung erfolgen und eine Regeneration veränderter und gestörter Moore, soweit sie im Landschaftshaushalt wichtige Funktionen erfüllen.

Die moortypische Pflanzenwelt muß zur Erhaltung des Artenpotentials geschützt werden.

V.II. Regeneration von Grundwassermooren

Der erste Schritt zur Renaturierung ist die Wiedervernässung, hierzu werden die Entwässserungsgräben angestaut. Der Plan, Flußdämme abzubauen sowie die meist tiefer gelegene Flußsohle höher zu legen, um Überschwemmungen wieder in Gang zu setzen, lässt sich nur in größerem Rahmen verwirklichen und stößt deshalb auf Probleme, wie z.B. bei Siedlungen oder Straßen, die dann auch überschwemmt werden würden. Ausserdem ist auch die Besitzzersplitterung eines der Hindernisse, die es erschweren die Renaturierung großflächig durchzuführen.

Die Wiedervernässung kann auch durch das Zuführen von Fremdwasser erfolgen, hierbei sollte die Qualität des Wassers ständig kontrolliert werden ,um zu vermeiden, dass das Moor eutrophiert. Weiterhin muß das ganze Einzugsgebiet extensiviert werden, um schädliche Stoffeinträge zu vermeiden.

V.III. Regeneration von Regenmooren

Die Regenmoore sind von dem Wasserhaushalt der Landschaft unabhängig und können somit nicht mit Fremdwasser wiedervernässt werden. Deshalb müssen Regenmoore in die Lage versetzt werden, wieder einen Torfkörper mit seinem eigenständigen Wasserhaushalt aufzubauen. Jeder Einfluß vom Grundwasser ist auszuschließen, da dieser nährstoffreich ist, außerdem müssen die Entwässerungsgräben verschlossen werden.

Schon bei geringem Gefälle trocknet die Torfoberfläche aus und erhitzt sich im Sommer so stark, dass regenmoortypische Pflanzenarten keine Chance haben, sich anzusiedeln. Da jedoch das Moor durch die vorangegangene Kultivierung nicht eben ist, müssen die Gräben in kurzen Abständen abgedämmt werden, um eine gleichmäßige Vernässung zu erzielen. Häufig werden Bäume und Sträucher entfernt, weil sie über Verdunstung dem Moor erhebliche Mengen an Wasser entziehen und durch Laubabfall und die damit verbundene Nährstoffanreicherung die Regenmoorvegetation zum Sterben bringen.

Im Randbereich sollten die Bäume jedoch erhalten bleiben, da sie durch die Immissionsaufnahme die nährstoffarmen Verhältnisse unterstützen. Bislang konnte nicht nachgewiesen werden, ob die Regenerationsmaßnahmen erfolgreich waren, weil die Bildung eines Regenmoors Hunderte von Jahren dauert. Überhaupt ist es fraglich, ob unter den heutigen Umweltbedingungen die Entstehung von Regenmooren noch möglich ist. Denn aufgrund der starken Verschmutzung der Atmosphäre mit Staub, Stickstoff- und Schwefelverbindungen veränderten sich die Strukturen der typischen Regenmoorvegetation und zum größten Teil sind diese Pflanzen nicht mehr in der Lage Torf zu bilden.

Quellenangabe:

Hutter, Claus-Peter.(Hrsg., 1997).Sümpfe und Moore. Stuttgart- Wien- Bern.

Gerken, Bernd.(1983). Moore und Sümpfe. Freiburg

Eberle, Georg. (1979). Pflanzen unserer Feuchtgebiete und ihre Gefährdung.Frankfurt/M.

Kierchner, Götz- J. (1980). Moore. Bonn.

Göttlich, Karlhans. Hrsg. (1980). Moor- und Torfkunde. Stuttgart.

Fischer, Lili. (1983). Teufelsmoor persönlich. Worpswede.

http://www2.stachel.de/bda/nat/stachel/UHN/0997.04/49moor.html.

http://www.tages-anzeiger.ch/971205/229344.HTM

 

(Leider konnten aus technischen Gründen die zahlreichen Abbildungen und Zeichnungen der Arbeit nicht übernommen werden.)